Mein Bauch sagt mir gerade, dass er sich über etwas essbares freuen würde. Doch ich ignoriere ihn. Noch.
Um mich herum türmen sich Ersatzteile, zig tausend, von denen ich nur einen Bruchteil kenne. Ich bin allein mit diesem vielen Kram, kämpfe mit einer mühsamen Bestellung und habe vorhin ein Flugzeug organisiert, welches morgen zwei kleine Ersatzteile von Schweden bringen wird.
Flugzeug?
Angenommen die lieben Leute drüben im Betrieb fahren eine Maschine zu tode, so ist es gut möglich, dass der Produktionsausfall die Kosten für einen Platz im Flugzeug oder das Taxi von weit her locker überschreitet. Und genau darum gibt es diese Blitzaktionen, bei welchen so schnell als möglich Ersatz für – meist ein einziges – fehlbares Maschinenteil organisiert werden muss.
Ich stelle mir vor, wie der Taxifahrer das Packetchen übernimmt, ein paar Papiere dazu und sich auf den Weg macht. 600km liegen vor ihm, die er möglichst bald hinter sich bringen muss.
Ich frage mich immer wieder, was wohl der Taxifahrer denkt, wenn er diese Aufgabe übertragen bekommt. 600km Fahrt für ein kleines Päckchen auf dem Beifahrersitz, ein paar Papiere für den Zoll und sonst nichts. Gar nichts. Es muss nur möglichst schnell ankommen. Doch was ist da drin? Etwas geheimes? Am Ende noch Drogen oder etwas verbotenes?
Nur der Besteller zu sein hat da auch seine Vorteile. Die zig Kilometer möchte ich nicht mitten in der Nacht unter die Räder nehmen müssen. Aber noch viel heftiger ist der Punkt, dass viele dieser Aktionen für rein gar nichts sind.
Wie jetzt? Erst mal einen Schluck aus der Wasserflasche.
Taxi oder Flugzeug, egal, hauptsache die Produktion kann weiterlaufen. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass die lieben Mitmenschen eine Möglichkeit finden da etwas zu basteln, damit alles wieder in gang kommt. Was ja auch wunderbar ist, selbst ist der Mann, oder so ähnlich. Oder aber sie merken, nachdem die erste Panik entschwunden ist, dass etwas ganz anderes defekt ist. Im besten Fall heisst das: Zeit gespart, die Maschine läuft wieder und Männchen mit der andersfarbigen Uniform sind glücklich, da der Kunde nicht zu lange auf sein Produkt warten muss.
Das Päckchen, vielleicht irgendwann Nachts oder am nächsten Tag ankommend, liegt dann interessanterweise bei uns auf dem Tisch. Anfangs hab ich mich darüber nerven wollen. Heute begegne ich diesem Phänomen mit einem Lächeln und denke nicht mehr so oft an die ökologisch vollkommen schwachsinnige Sache mit dem Transport.
Es ist bald 19 Uhr, ich knoble noch immer an der Bestellung rum und morgen wird sich jemand anderes diesem Fall annehmen, wird die letzten Infos kriegen wann der Flieger wo landet und wann vielleicht die Teile bei uns eintreffen werden.
Als ich die Bürotüre abschliesse, hat plötzlich mein Wochenende begonnen und mein Magen macht sich wieder bemerkbar. Die Spannung ist weg, mein Köper kriegt wieder mehr Aufmerksamkeit. Ab nach Hause etwas leckeres kochen.
Wochenende am Donnerstag Abend, wie ich das vermisst habe.
[...] hinterliess. Nicht dass es vor sich hin stank, nein viel schöner noch, es hat eine luxuriöse Flugreise und den Beifahrersitz eines Nachtkuriers genossen und liegt nun auf meinem [...]