Es gibt Tage, an denen weiss man bereits bevor man aufgewacht ist: Das wird nix heute! Genau so habe ich mich an diesem Morgen gefühlt. Der Wecker klingelte gnadenlos um 6 Uhr – weitere 15 Minuten gab ich mir als persönliche Aufwachzeit. Immerhin schaffte ich es meine Beine aus dem Bett zu schwingen, mit dem Hintergedanken, dass es sich beim heutigen Tag ja um den Freitag handelt – der wunderbarste letzte Tag einer anstrengenden Arbeitswoche. Umso mehr, da mein Weekend nun ja wie der von Millionen Menschen am Freitag beginnt, und nicht wie die letzten 3 Jahre am Samstag Nachmittag. Nun also, da stand ich also, angezogen, einmal mehr zu wenig Zeit um ein anständiges Frühstück einzunehmen. Die Fahrt mit dem Velöchen zum Bahnhof darf wohl zu einem der angenehmeren Erlebnisse des heutigen Tages gezählt werden. Die wirkliche Tortur begann einmal mehr bei unserer allerliebsten staatlichen Bahngesellschaft. Wie jeden Morgen drängen sich die Leute auf dem Bahnsteig dicht zusammen und warten gierig auf die Ankunft des Zuges. Kein Wunder, ist doch die Platzanzahl beschränkt und der Raum – vorallem für die nichtrauchende Bevölkerung – eher knapp. Der Zug fährt ein – die Leute wirbeln durcheinander und jeder erhofft sich, dass die Tür genau vor seinen Füssen zum Halten kommt. Ich hatte einmal mehr den Zonk gezogen. Okay, auch ich schaffte es in den Zug, kämpfte mich durch die Nebelschwaden stinkendes Rauches – juuuhuuuuu 12. Dezember… – fühlte mich sogleich wieder ungeduscht und fand schlussendlich einen Platz neben einer doch etwas breiteren Dame mittleren Alters. Ein halber Sitz stand mir also genau zur Verfügung. Wunderbar. Die Rettung war einmal mehr mein Äpfelchen auf den Ohren. Eine gute Viertelstunde Erholung – bis sich dann am Ankunftsbahnhof die ganze Szenerie der Menschenmenge in die Gegenrichtung wiederholte. Ich mag sie nicht, diese Bahnhöfe am Morgen.
Kurz nach 7.15 treffe ich im Büro ein, meine Chefen sind bereits anwesend. Aber anscheinend nehmen sie noch nichts anders wahr, als ihre Zeitung. Nun gut, meine Erwartungen sind schon relativ klein. Etwas später das allmorgendliche Treffen mit meinem Vorgesetzten. Einmal mehr könnte ich mit ihm einen handfesten Streit anzetteln, einfach aus dem Grund heraus, dass ein Vorgesetzter meiner Meinung nach über ein fundiertes Wissen verfügen sollte – dieses aber in diesem speziellen Fall absolut nicht vorhanden ist. Es ist nicht die Tatsache, dass mein Chef über zu wenig Kompetenz verfügt, welche mich nervt. Viel mehr ist es die Tatsache, dass ich mein Wissen einbringe und dieses schlussendlich als seines Verkauft wird. Für heute schlucke ich meinen Ärger hinunter, zu verärgert bin ich in dem Moment. Eine Stunde später dürfen wir uns an einer weiteren viel zu langen Sitzung verweilen. So nebenbei bekomme ich mit, dass heute Mittag ein Essen stattfindet, an welchem besprochen wird, welche Events im nächsten Jahr geplant sind. Bis vor einem Jahr war ich selber aktiv dabei, aber nun gibt es da ja diese neue Mitarbeiterin, welche eine Rang höher steht… Kommentar überflüssig. Nun, es mag vielleicht so erscheinen, dass meine Person einfach eine gewisse Eifersucht verspürt. Ich möchte aber erwähnen, dass sich mein Groll nicht gegen diese neue Mitarbeiterin – welche ich ausgesprochen gut mag – richtet. Was ich mich frage ist vielmehr, wieso eine Unternehmung eine teuere Weiterbildung bezahlt – Kostenpunkt immerhin Fr. 23’000 – diese Ausbildung mit einer hervorragenden Note abgeschlossen wird und man diese Person dann als Superuser für das Archivierungs-System nutzt……
Es ist zwar Freitag heute und es ist nicht mein Tag – aber ich weiss, mein Chef wird sich noch heute dieser Tatsache stellen müssen! Und ich werde – neben vielen anderen Dingen – auch das Projekt “New Job” anpacken!!! Und auch du sollst es tun, wenn du bei meinen Ausführungen ins Grübeln gekommen bist!