Angenommen, wir bringen unser Auto in den Service. Normalerweise überlässt man es der mehr oder weniger kompetenten Garage und holt es nach überstandenem Besuch wieder ab. Oder kennt ihr jemanden, der sich keinen Meter von seinem Blechtruckli entfernt und dem Mechaniker bei jedem Handgriff über die Schulter schaut?
Das solls wirklich geben. So ähnlich geschehen in einem anderen Fall.
Sohn, arbeitslos, zwischendurch Türsteher, will sein kleines Cabrio aufpeppen. Dazu bringt er das Gefährt dem Maler. Dieser lackiert das ganze Auto neu und kommt ihm zudem noch finanziell entgegen. Kostenpunkt etwa 7500 Fr. Anschliessend bringt der gute Kerl noch die vordere Stossstange, welche er übers Internet gekauft hat zum Lacker.
Ich zitiere: “Sie hat vor dem Lackieren gepasst”. Klar, wie die Faust aufs Auge.
Denn genauso gebastelt sehen auch noch 100 andere Details an dem eigentlich sehr schönen Auto aus. Ein erster Augenschein zeigt auf, dass fürs Anpassen der Front sicher nochmal 1000 Fr fällig werden.
Eine Woche später steht der Wagen tatsächlich da. Wir korrigieren fleissig sein Gebastel und passen alles neu an. Der gute Mann steht nun tagtäglich in der Garage um nach seinem Auto zu schauen, im Liegestuhl zu hängen, allen über die Schultern zu kucken und vor allem zu nerven, denn er kann rein gar nichts tun, damit es schneller geht. Er bremst höchstens die Arbeit Anderer.
Was er nicht einsieht. Ich weise ihn nach ein paar Tagen freundlich darauf hin, dass er doch lieber zu Hause auf sein Wägelchen warten solle. Er zeigt mir klar, dass er mich nicht ernst nehmen will und er tun könne, was er wolle. Daraufhin eskaliert die Situation. Nach einem fast stünigen Gespräch verlässt er die Werkstatt, nebenbei schmunzeln ein paar Köpfe…
Der Maler seinerseits liest ihm erneut die Leviten gibt ihm noch den Rest. Irgendwie scheint er das Gefühl zu haben, dass alle gleich rennen, wenn er etwas möchte, man sollte ihn sozusagen allen andern Kunden vorziehen. Natürlich.

Dass man seinem Cabrio aber zuerst zwei Liter Öl nachfüllen muss um es einigermassen strassentauglich zu machen, der Tank auf Reserve steht, seit das Auto da ist und er noch keinen roten Rappen für irgendetwas bezahlt hat, interessiert hier natürlich niemanden.