Dezember 11, 2009 1

Der Wein kommt selten allein

By Strohsilo in Aus dem Leben

Nein, mir gehts super, keine Frage. Doch, wo war ich? Was ist passiert heute Abend? Hä?

Da hab ich gerade eine Truppe lustiger Leute verlassen, die mich fast nicht gehen lassen wollten. Irgendwie bin ich noch da. Oder wie? Oder doch nicht? Herrjeh! Wo war ich nun genau? Ach ja, an einem Apéro. Wie nennt man das? Apéro? Saufgelage? Unser Lehrer hat sich genervt, ich erinnere mich. Weil da Wein war. Nun gut, Wein gibts öfter, etwas besonderes? Ach der Wein war auf dem Sofa! Oooh, nein lieber Wein! Da gehört er wohl nicht hin. Da meinte der Herr Lehrer “ich find das nicht so lässig”. Wir auch nicht. Drum halfen wir brav aufputzen und zogen von dannen. Warum ich überhaupt scheibe? Also, ich bin wohl im Zug, unterwegs zu meinem Lieblingsdate. Lach… Aber hatte ich nicht schon Wein? Das ist es! Irgendwie habe ich das Gefühl den verwirrendsten Post meines Lebens zu schreiben…

Draussen leuchtet gerade das Ikea Logo und neben mir telefoniert einer mit seiner welschen Freundin. Ich spüre den Wein, weiss nicht so genau warum ich überhaupt tippe und fühle mich irgendwie verraucht, obwohl ich gar nicht rauche? Schwierig. Mich wundert ehrlich gesagt, dass ich noch so klar tippen kann. Alles ein bisschen verwirrend.

Den Weg nach Bern nehme ich gerade unter die Räder der SBB, aber ich wollte doch vorher noch nach Hause und mich etwas frisch machen für das kommende Fondue? Der Apéro war wohl zu weinlastig, zu lustig, zu lang =)

Da fahre ich an meiner Heimat vorbei, meiner kleinen Wohnung die jetzt alleine auf mich wartet und noch etwas auf mich verzichten muss. Es ist immer spannend zu sehen, wenn man vorbeifährt und genau weiss, dass eigentlich noch ein weiter Weg in die andere Richtung vor einem liegt. Irgendwie… Ach…

Vielleicht sollte ich nicht schreiben wenn ich Alkohol im Blut habe, vielleicht sollte ich das einfach bleiben lassen. Aber es fliesst gerade so. Und ich geniesse das Gefühl schreiben zu wollen, wieder die Gedanken zu etwas zu verarbeiten, was nachher eigentlich ganz viele Menschen lesen können. Ja, warum mache ich das eigentlich? Vielleicht habe ich das Gefühl, dass heute ein toller Tag ist, dass ich endlich die Präsentation vorbei habe, welche mir schon die halbe Woche auf dem Magen lage.

Warum den blus? Die Präsi war halb so schlimm, meine Bilder so schön, dass ich Komplimente von anderen erntete und der ganze Vorstress innert einer Minute verflogen. Ja, ich hab was erzählt zu meinen Bildern, obwohl ich eigentlich immer das Gefühl hatte, dass es da gar nicht viel zu erzählen gibt… Nicht? Doch! Auch wenn die Serie überhaupt nicht dem entspricht, was ich mir eigenltich vorgestellt habe, auch wenn meine liebe Magazingruppe ganz andere Bilder ausgewählt hat, als ich an meiner Präsentation letzte Woche gezeigt habe. Das spielt alles nur eine Nebenrolle. All das wird unwichtig, wenn man wirklich mal vor 60 Leuten steht und erklären sollte, was man denn da warum grafiert hat.

Bestimmt habe ich Mühe, meine Bildwelt zu erklären und manchmal fehlt es mir einfach an Überzeugung, dass ich etwas wirklich Gutes geschaffen habe. Geschaffen? So kann man es wohl nennen. Den Prozess, den es braucht, wenn man sich mit einer Bildwelt auseinander setzt, einer Welt die schlussendlich in einem Magazin abgeruckt werden sollte. Meine bisherigen Höhepunkte lagen bei Katalogen für Merchandising Material und Produktekatalogen. Oder vielleicht mal eine Homepage, auf der alle Firmenportraits von mir sind. Das kann schon schön sein, wenn man dann das Endresultat sieht und auch ein bisschne stolz, wenn man weiss, dass ich die Bilder selber gemacht habe.

Ich schreibe und schreibe, ich frage mich gerade, ob ich das auch alles veröffentlichen will, ob das jemand lesen will und sich auch darüber freut? Der neben mir telefoniert immer noch mit seiner Verehrein und mich dünkt sein Redeschwall ist in etwwa gleich unstoppbar wie mein getippsel, das mich gerade in Form dieser Zeilen verlässt. Schön zu merken, dass ich doch noch gerne schreibe. Emails, vielleicht. Ich sollte wirklich wieder mal lange, anspruchsvolle, nachdenkliche und schöne Emails verschicken. Aber an wen?

Der Zug um mich gleitet durch die Nacht und es sieht gerade schwer nach Olten aus. schon Olten? Puh! Es tut gut zu schreiben, es befreit. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass es sich um ein riesiges Chaos handelt und ich eigentlich gar nicht mehr lesen will, was ich da alles getippt habe. Es macht irgendwie glücklich.

Ein Kaugummi muss her. Jetzt.

Draussen die hässlichen Lärmwände, oberhalb ein paar kleine Weihnachtsbeleuchtungen. Dann wieder die Dunkelheit und das Geräuch vom Zug, der gerade mächtig Gas gibt. Weihnachtsbeleuchteungen, hm. Da in Zürich, wo ich gerade war, da hängt doch noch immer die Röhreninstallation in der Bahnhofstrasse, welche so eine faszinierend kalte Weihnachtsstimmung verbreiten. Und nebenan, eine Strasse weiter, die neue Petflaschenweihnachtsbeleuchtung. Was für ein Wort. PET-Flaschen-Weihnachtsbeleuchtung. Aber wenn ich mir das Bild dazu vorstelle, so übel sieht das gar nicht aus. Eher schön, so wie ganz viel eingeordnete Schneesterne!

Da fällt mir ein, zu Hause habe ich meine Küchenbeleuchtung umgebaut. Ja, wirklich, ich kann auch ganz kreative Sachen bauen. Kennt ihr die Küchen-Kugelleuchten, die es früher in jeder Küche gab? Die weissen milchglasigen Kugeln, die auch etwas Licht in den Raum streuen sollten? Die hat mir eigentlich noch nie so richtig gefallen, drum habe ich auch recht schnell eine eigene Lampe über den kleinen roten Küchentisch gehängt. Und irgendwo waren da noch zwei Lichterketten. Ja, die Lichterketten, die so schön gedimmtes angenehmes Licht verbreiten. Aus genau so einer und der restlichen Lampenkonstruktion habe ich was neues gebaut. Und das gefällt mir schon viiiel besser als alles was bisher meine Küche beleuchtet. Nun kann ich auch endlich auf den Knopf drücken (ja den Knopf, den man sich gewohnt ist zu drücken wenn man die Küche betritt und das licht noch so dunkel ist, dass es noch gar nicht leuchtet). Ein Druck auf den Schalter und die Welt wird in hübsches oranges Licht getaucht. Wenns nicht reicht, hats noch mehr kleine versteckte Leuchtmittel, wenns immernoch nicht reicht hats noch Kerzen und wenns ganz hell sein muss lässt sich noch immer etwas richtig helles zuschalten.

Wo sind wir? Irgendwie siehts schon sehr nach Bern aus und da werde ich nun noch kurz die Migros besuchen und mir ein paar Steinpilze besorgen. Bern? Durchsage? Oooh, ich muss aussteigen! Mein Wortschwall wird nun etwas gebremst =) Aber ich werd wieder tippen, vielleicht nur etwas weniger chaotisch, oke?

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One Response to “Der Wein kommt selten allein”

  1. Mehr mehr mehr. Wie Schoggi. Nur kalorienarm.

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