Januar 10, 2008 0

Nachbarn

By Strohsilo in Aus dem Leben, Nachdenkliches

Wenn ich mir eine Wohnung nach den Nachbarn aussuchen könnte, würde ich kaum hier wohnen. Aber ich tue es. Und ich lebe damit. Vielleicht auch, weil mir diese Wohnung doch schon etwas ans Herz gewachsen ist und ich mir kaum noch grosse Sorgen um meine Nachbarn mache. Egoistisch?

Nun, in den fünf Jahren, in denen ich nun schon hier meine Heimat zähle, sind einige Parteien aus- und eingezogen. Und mit ihnen auch ihre Geschichten. Mal hatte ich bekiffte Nachbarn die mitten in der Nacht telefonieren wollten, weil der Bruder ausversehen das falsche Zigipäckchen mitgenommen hatte (da war wohl was anderes drin), mal streitete die italienische Mamma mit ihren Kindern in solch einer Lautstärke, dass ich fast jedes Wort hätte übersetzen können (ich kann kein italienisch). Dann gabs da noch die netten Nachbarn aus dem Osten, immer freundlich, quatschten gerne und interessierten sich auch für die Geschichten rund ums Leben. Und manchmal kam jemand klingeln, weil meine Musik zu laut war.

Das war gestern. Was ist geblieben davon? Die Italienerin, die mittlerweile auch ein Lächeln mürrisch quittiert, noch immer mit ihren bald erwachsenen Kindern streitet als ob die Welt untergehen würde, ihr Sohn, der vor Freundlichkeit sprüht, mir die Türe am liebsten vor der Nase zu macht und die Familie aus dem fernen Osten, welche mit ihren vier Kindern auf der selben Fläche lebt wie ich, und sonst?

All die neueren Hausbewohner lerne ich irgendwie erst mit der Zeit kennen. Teils unter kuriosen Umständen. Die verschreckte Dame über mir habe ich zum ersten Mal gesehen, als sie bei der Hauswartin reklamieren ging, ich hätte die Waschmaschine an ihrem Tag benutzt. Die war vielleicht hässig und geladen! Mittlerweile schreibt sie mir schon Zettelchen um sich zu entschuldigen, wenn sie an meinem Waschtag wäscht. Aber grüssen kann sie noch immer nicht. Hab ich der was angetan?

Oder es läutet morgens um halb zwei an der Türe. Bitte? Will der bekiffte Nachbar wieder telefonieren? Nein, draussen steht meine seit ein paar Monaten eingezogene Nachbarin um sich vorzustellen. Wie? Ja, Zitat: “Grüezi, ich bin ihre Nachbarin und habe den Schlüssel zu Hause vergessen… Mein Mann schläft schon und ich kann nicht rein!”. Sie ist nett, extrem scheu, spielt wahrscheinlich nach Metronom Klavier und sagt “ich kenne die Nachbarn noch gar nicht so richtig”. Kein Wunder wenn man sich nie vorstellt.

Ihr seht, solange der gegenüber nicht nackt im Fenster steht und seine Schönheit präsentieren will, ist alles in Ordnung =)

Dazu passend:

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