Und eigentlich will ich dieses Couvert gar nicht öffnen. Es geht um meine Wohnung, ich weiss es.

Und eigentlich will ich dieses Couvert gar nicht öffnen. Es geht um meine Wohnung, ich weiss es.

Es beschleicht mich das Gefühl, dass dieses Projekt noch etwas in die Länge gezogen wird. Es ist nicht so, dass ich es nicht durchziehen will. Aber momentan haften so viele Dinge an mir, welche mich psychisch und physisch recht heftig belasten.
Ich bin “uliidig” meinen Mitmenschen gegenüber, ein Jammerlappen und lasse Dinge hängen, die überaus wichtig wären. Daran muss ich arbeiten, dann kommt das mit dem Belly Off von ganz alleine.
Und ihr, Fortschritte gemacht?
Nein aber auch, was für eine Woche! Dass dieses ganze Belly-Off Gedöhns nicht von ganz alleine starten wird, war anzunehmen. Aber dass es gerade soo harzig anläuft, wusste ich nicht. Das hätte ich mir ja nie erträumen lassen!
Nach ein paar “Gingg in Arsch”, nachfolgend nur noch GiA genannt, schaffte ich es dann auch noch, etwas mehr auf meine Esskultur zu schauen und versuchte fortan, den Kalorienumsatz wenigstens in Grenzen zu halten und meine allabendlichen Fressgelage auf ein Minimum zu reduzieren. Gegen Ende Woche hab ich das auch recht gut in den Griff bekommen.
Dass mir am Samstag Abend das nachschulische Fieber einen Strich durch die Rechnung machen sollte, damit konnte ich ja nicht rechnen. Jedenfalls war Sonntag und Montag nun gar nichts mehr mit Twelly-Belly-Off und wie sie alle heissen. Dafür habe ich meine Magendarm-Gegend so ausgiebig geleert – rein durch fehlenden Nachschub – dass ich sicher nochmal ein bis zwei Kilo verloren haben. Ob temporär oder nicht, ich habe ein kleines Bisschen abgenommen.
Nun haben wir schon wieder Mitter der Woche und ich habe mir ein neues Wochenziel erklärt. Ein Massband kaufen nämlich. Damit will ich messen, wenn der Fieberthermometer schon nicht twittern kann, dann schreibe ich wenigstens den Umfang meiner Rolle ins Web.
Und der Sport? Dafür brauch ich wohl noch einen GiA. Aber immerhin mache ich seit Dienstag mehrmals täglich ein paar Übungen um meinen Rücken am Leben zu halten. Die Schmerzen die er mir und meinem Kopf zumutet, seit ich zwei Tage das Fieberbett hütete, will ich nicht weiter ertragen. Zeit etwas zu ändern.
Da sitzen wir schon an der dritten Flasche Wein. Niemand schreibt da noch gerade Sätze und läuft in fliessenden Worten.
Ähm ja.
Dummerweise meinte das Jahr, es müsse mir noch ein paar Kleinigkeiten reinbremsen. Am letzten Tag selbstverständlich. Aus unerklärlichen Gründen meinte das Schinkli, es müsse den Teig aufbrechen, um all die schöne Marinade auslaufen zu lassen. Dass der Nüsslisalat etwas viel Salz geschluckt hatte, versüsste das Essen leider auch nicht. Beim Öffnen der ersten Weinflasche verschwand der Korken lustigerweise IN der Flasche, konnte aber durch einen künstlerischen Eingriff doch in die Freiheit katapultiert werden. Mit ihm jedoch auch der Wein, welcher längere Zeit unbemerkt alle hellen Chuchichäschtli zierte.
Ähm ja.
Das neue Shirt übrigens, welches sich genau in diesem Moment in nächster Nähe der zu öffnenden Weinflasche befand, hat nun gewisse Ähnlichkeiten mit einem Batikshirt. Sprach ich von einer Weinflasche? Ja richtig, die erste. Ungeniessbar, geht zurück. Die zweite genauso. Die 3te, günstigeres Fabrikat, langweiligere Trauben, lassen sich trinken, zergehen geradezu im Mund. Wenn man diese mit den vorhergehenden “edlen” Tröpfchen vergleicht.
4te Flasche, CinZano Asti, wohl der beste Tropfen von allen am heutigen Abend. Begleitet von Gesängen der Silvesterknalle. Von mir aus könnte man de verbieten.
Aber ja! Die 4te Flasche war wohl die Erlösung nach der ganzen Tortur, all dem Schiess des letzten Jahres, welcher sich auf die letzten Stunden des alten Jahrzehnts konsentierte. Nun ist sie offen und auch bald schon leer, aber dafür umso gesüffiger und besser als alles vorhergehende.
Willkommen im 2010. Neues Jahr, neues Jahrzehnt, vielleicht gehts genauso weiter
Prost!
Der Zug wird langsamer. Ich breche mein Telefongespräch ab, verabschiede mich. Zeit meinen billigen Stauffacher-Plastiksack zu packen. Meine drei Geschenke habe ich, Kopfhörer auch.
Kurz wechsle ich ein paar letzte Worte mit meinem Gegenüber, welcher sich sehr für meine Ausbildung interessierte. Ex-Wirtschaftsstudent auf Heimreise zu Mutti und Vati. Unterwegs mit einem grossen Tramper, Laptop in Neopren, montiert, wie wenn er den Schlafsack fürs Open-Air draufgeschnürt hätte. Ich lächle und mache mich auf den Weg zur Tür. Steige die Treppe herunter folge dem Schwall der Menschen.
Den Fuss noch nicht auf dem Bahnsteig, drängt sich eine ältere Dame in ihrer roten Jacke an mir vorbei. Sie schubst mich bei Seite, hüstelt etwas unverständliches. Ich schaue einem Wartenden ausserhalb des Zuges ins Gesicht. Er lächelt und zieht die Schultern hoch.
Genau dieser Gedanke ging mir auch durch den Kopf. Ich lächle und gehe weiter mit meiner öden Plastiktasche, gefüllt mit Dingen die das Leben verschönern.
Heute hatte ich ein Päckchen auf meinem Schreibtisch, welches einen faden Nachgeschmack hinterliess. Nicht dass es vor sich hin stank, nein viel schöner noch, es hat eine luxuriöse Flugreise und den Beifahrersitz eines Nachtkuriers genossen und liegt nun auf meinem Tisch.
Warum nur wusste ich, dass es wieder soweit kommen sollte? Mein Kollege meinte nur: “Nicht hirnen, arbeiten”. Irgendwie hat er ja recht.
Notgedrungen, nein man könnte fast sagen aus aktuellem Anlass der vorvernächtigenden Feier- und Esstage, will ich ein altes Projekt unseres allseits bekannten MC Winkel hervorkramen.
Bauch weg, meine Damen und Herren, das Thema, aktueller denn je! Schaut euch nur gut an, wenn die Feiertage überstanden sind und das neue Jahr angebrochen ist – wir werden alle wieder jammern. Der gute MC hatte ja damals die glorreiche Idee aus der Not eine Tugend zu machen und jeder Blogger, jede Bloggerin die mitmacht sollte wöchentlich von den Erfolgen berichten. Das soll bei der 2010er Version, sozusagen der Remix des gestandenen Orginales, nicht anders sein.
Legt euch also ins Zeug, springt in die Sporthosen, kontrolliert die Leckereien welche euer Magen verarbeiten soll und schreibt brav wöchentlich auf, was sich getan hat, oder auch nicht. Und da wir alle der grossen Familie Social Network angehören, wird es eine Kleinigkeit sein, einander dabei zu motivieren
So!
Starten wir, hm, sagen wir am 04. Januar 2010? Hier vorab schon mal des Emser’s Motivations- und Trainingsvideo für alle, die zu Hause was tun wollen.
via MC Winkel
Wer macht mit?
Nachtrag: Parallel hierzu wird das #twellyoff gestartet. Da werd ich wohl auch teilnehmen.
Mein Bauch sagt mir gerade, dass er sich über etwas essbares freuen würde. Doch ich ignoriere ihn. Noch.
Um mich herum türmen sich Ersatzteile, zig tausend, von denen ich nur einen Bruchteil kenne. Ich bin allein mit diesem vielen Kram, kämpfe mit einer mühsamen Bestellung und habe vorhin ein Flugzeug organisiert, welches morgen zwei kleine Ersatzteile von Schweden bringen wird.
Flugzeug?
Angenommen die lieben Leute drüben im Betrieb fahren eine Maschine zu tode, so ist es gut möglich, dass der Produktionsausfall die Kosten für einen Platz im Flugzeug oder das Taxi von weit her locker überschreitet. Und genau darum gibt es diese Blitzaktionen, bei welchen so schnell als möglich Ersatz für – meist ein einziges – fehlbares Maschinenteil organisiert werden muss.
Ich stelle mir vor, wie der Taxifahrer das Packetchen übernimmt, ein paar Papiere dazu und sich auf den Weg macht. 600km liegen vor ihm, die er möglichst bald hinter sich bringen muss.
Ich frage mich immer wieder, was wohl der Taxifahrer denkt, wenn er diese Aufgabe übertragen bekommt. 600km Fahrt für ein kleines Päckchen auf dem Beifahrersitz, ein paar Papiere für den Zoll und sonst nichts. Gar nichts. Es muss nur möglichst schnell ankommen. Doch was ist da drin? Etwas geheimes? Am Ende noch Drogen oder etwas verbotenes?
Nur der Besteller zu sein hat da auch seine Vorteile. Die zig Kilometer möchte ich nicht mitten in der Nacht unter die Räder nehmen müssen. Aber noch viel heftiger ist der Punkt, dass viele dieser Aktionen für rein gar nichts sind.
Wie jetzt? Erst mal einen Schluck aus der Wasserflasche.
Taxi oder Flugzeug, egal, hauptsache die Produktion kann weiterlaufen. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass die lieben Mitmenschen eine Möglichkeit finden da etwas zu basteln, damit alles wieder in gang kommt. Was ja auch wunderbar ist, selbst ist der Mann, oder so ähnlich. Oder aber sie merken, nachdem die erste Panik entschwunden ist, dass etwas ganz anderes defekt ist. Im besten Fall heisst das: Zeit gespart, die Maschine läuft wieder und Männchen mit der andersfarbigen Uniform sind glücklich, da der Kunde nicht zu lange auf sein Produkt warten muss.
Das Päckchen, vielleicht irgendwann Nachts oder am nächsten Tag ankommend, liegt dann interessanterweise bei uns auf dem Tisch. Anfangs hab ich mich darüber nerven wollen. Heute begegne ich diesem Phänomen mit einem Lächeln und denke nicht mehr so oft an die ökologisch vollkommen schwachsinnige Sache mit dem Transport.
Es ist bald 19 Uhr, ich knoble noch immer an der Bestellung rum und morgen wird sich jemand anderes diesem Fall annehmen, wird die letzten Infos kriegen wann der Flieger wo landet und wann vielleicht die Teile bei uns eintreffen werden.
Als ich die Bürotüre abschliesse, hat plötzlich mein Wochenende begonnen und mein Magen macht sich wieder bemerkbar. Die Spannung ist weg, mein Köper kriegt wieder mehr Aufmerksamkeit. Ab nach Hause etwas leckeres kochen.
Wochenende am Donnerstag Abend, wie ich das vermisst habe.
Nichts, ausser ein paar kleine Lichter die am Fenster vorbeiflitzen. Nur die Dunkelheit und das Geräusch des Wagens, der auf den Schienen gleitet. Nichts, nur Dunkelheit.
Ein Zeitungslesender sitzt schräg gegenüber. Ich beobachte ihn neugierig, er trägt Regenhosen über den Jeans und seine 80er Jahre Winterschuhe laden zum schmunzeln ein. Etwas weiter vorne ein roter Rollkoffer, welcher den Flughafen Genf heute schon gesehen hat.
Der Zug verlässt den Tunnel, die Sicht auf die graue Winterlandschaft wird frei. Ein Lächeln auf meinen Lippen kann ich mir nicht verkneifen.
Ich geniesse die Musik aus meinem überdimensionierten Kopfhörer, schwelge in Erinnerungen und schenke der grauen Welt ein unbezahlbares Lächeln.