September 27, 2007 0

Tuning Boys

By Strohsilo in Aus dem Leben, Nachdenkliches

Auch wenn ich mir sehr schnell eine Meinung von einer Person bilde, die ich frisch kennengelernt habe, darf ich behaupten, anderen gegenüber sehr offen und neugierig zu sein. Doch es gibt Personen, bei denen das etwas getrübte erste Bild nach einer Weile noch trüber wird. So geschehen, gerade erst.

Als eigentlich recht flotten Kerl lernte ich einen vermeindlichen Automechaniker kennen. Andere meinten schon beim ersten Kontakt “der kommt mir komisch rein”, doch es schien so, als ob ich mir zuerst selbst eine Meinung bilden müsste.

Erste Kuriositäten tauchten bei sich wiederholtenden Ritualen auf, zB. dem wöchentlichen Freitag-Abend-Essen im Stammlokal. Dem nicht genug, auch das Menü scheint im Vornherein bekannt – Schnitzelpfännli. Natürlich kann man in dieser angesehenen und gut bürgerlichen Lastwagenbeiz sein Stempelkärtli zeigen um nach dem zehnten Essen einen besonderen Bonus herauszuschlagen. Noch unwissend über die wirklichen Zustände, wohnte ich diesem sehr aufregenden und bunten Abend auch einmal bei. Bunt? Aufregend?

Nun, was mag ein Automechaniker, ähm Autoersatzteilmonteur der als Mittezwanziger noch die Mutterstube wärmt aufregendes zu einem Abend beitragen? Nichts. Nichts? Das ist so nicht ganz korrekt. Er kann sehr überzeugt von sich schwärmen – was aber leider nicht sehr überzeugend rüberkommt. Irgendwann kristallisierte sich dann auch heraus, dass der vermeindliche Automechaniker mit neu angemieteter Garage bald selber Autos instandstellen möchte. Wohlbemerkt, ein Autoersatzteilmonteur ist kein Mechaniker. Man kann sich auch als Laie in etwa vorstellen, wie das herauskommen muss.

Um die Runde etwas auf Trap zu halten überredete ich nach dem spannenden Schnitzelpfännli-Abend die Gesellschaft zu einem kulinarischen Genuss beim Mexikaner. Doch meine Überredenskünste halfen nicht bei allen. Einer sagte schon im Vornherein ab, mit der Begründung, er esse nur Schweizerisches Essen, andere verzogen das Gesicht beim Anblick der leckeren Speisen und liessen dann auch die Hälfte stehen. Scheint nicht allen so gemundet zu haben wie mir.

Aber das grosse Highlight möchte ich euch nicht vorenthalten.  Zusammen mit drei Kollegen wollte der gute Mann am vergangenen Sonntag die Messe in Bern bereichern. Gesagt, getan, der “Club” war angemeldet – wir nennen sie seither ironischerweise die “Tuning Boys” – jeder bezahlte seine 80Fr. für einen Aussenparkplatz, die Autos wurden parkiert und die Tore dahinter verriegelt. Als Aussteller ist man normalerweise ja gewillt, sein Auto zu präsentieren und bis zum Ende der Show genau da stehen zu lassen. Nicht so aber unser Kandiat.

Spätestens als ich das gehört habe, wandelte sich mein Schmunzeln für die bisherigen Taten in ein breites Grinsen. Halb zwei Uhr Nachmittags wurde es dem guten Mann zu viel und er wollte um jeden Preis jetzt sein Auto wieder nach Hause fahren. Nach heftigen Diskussionen mit der Leitung wurde schlussendlich ein Marronistand versetzt, die Türen wieder aufgeschlossen und  Besucher zur Seite gewiesen, damit sich die “Tuning Boys” aus dem Staub machen konnten. Man soll sich in Grund und Boden geschämt haben vor den Leuten – ihm war das egal.

Manchmal kommt es mir vor, wie wenn es auch heute noch junge Menschen geben würde, die noch nie so richig auf ihren zu hoch aufgesetzten Kopf gefallen sind, um etwas zur Vernunft zu kommen.

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